Wohnraum im Kanton Freiburg: Weitgehend einheitliche Einschätzung der Lage, unterschiedliche Ansichten über die Massnahmen

Anlässlich der grossen Wohnraumdebatte vom 7. Oktober an der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HEG-FR) brachte FRIMOUP Kandidierende für die kantonalen Wahlen zusammen, um ihre Positionen zu den Herausforderungen im Wohnungswesen zu diskutieren. Zum Auftakt präsentierte Enoki eine Bestandsaufnahme des Freiburger Wohnungsmarktes sowie die Ergebnisse einer Umfrage, die von FRIMOUP und Enoki in Zusammenarbeit mit Smartvote erarbeitet worden war. Der Fragebogen richtete sich an die Kandidierenden für den Staatsrat und den Grossen Rat und wurde von insgesamt 123 Personen beantwortet.

Ende 2025 zählte der Kanton Freiburg 350’918 Einwohnerinnen und Einwohner, was einem Bevölkerungswachstum von 12,5 % seit 2016 entspricht. Im Juni 2026 lag die Leerwohnungsziffer bei 1,26 % und damit unter der kantonalen Schwelle für Wohnungsknappheit von 1,8 %. Die durchschnittliche Monatsmiete betrug 2024 CHF 1’328, was einem Anstieg von 11,6 % seit 2016 entspricht. Der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus am gesamten Wohnungsbestand des Kantons Freiburg liegt derzeit bei 1,54 %.

Aus der Umfrage gehen mehrere zentrale Erkenntnisse hervor:

  • Eine Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass die demografische Entwicklung und die Veränderungen der Haushaltsstrukturen eine proaktivere Wohnungspolitik erfordern. Gleichzeitig spricht sich eine Mehrheit dafür aus, den Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus am kantonalen Wohnungsangebot zu erhöhen.
  • Eine Mehrheit ist der Auffassung, dass der private Wohnungsmarkt ohne spezifische staatliche Massnahmen nicht in der Lage ist, allein ein ausreichendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum sicherzustellen. Bezahlbarer und gemeinnütziger Wohnraum gehören zu den am stärksten befürworteten Wohnformen.
  • Ein Zielwert von 3 bis 6 % gemeinnützigen Wohnungen bis 2040 findet bei einer Mehrheit der Befragten Zustimmung. Die Befragten aus den linken Parteien sprechen sich hingegen tendenziell für einen höheren Anteil aus.
  • Die Unterstützung bei der Entwicklung und Vorbereitung von Wohnbauprojekten findet breite Zustimmung. Die Einführung eines verbindlichen Mindestanteils an gemeinnützigen Wohnungen in neuen Quartieren wird hingegen kontrovers beurteilt. Die Gewährung zusätzlicher Ausnützungsreserven beziehungsweise Baurechte für Projekte, die einen bestimmten Anteil gemeinnütziger Wohnungen vorsehen, stösst auf breitere Zustimmung.

Diese Ergebnisse spiegeln die Antworten der Kandidierenden wider, die an der Umfrage teilgenommen haben. Sie stellen weder eine repräsentative Meinungsumfrage der Wählerschaft noch die offiziellen Positionen der Parteien dar.

An der anschliessenden Podiumsdiskussion, die von François Mauron, Chefredaktor von La Liberté, moderiert wurde, nahmen Marcel Alain Berset (SVP), Leonardo Gomez Mariaca (GLP), Thomas Gremaud (SP), Pascal Känzig (Grüne), Sandy Maillard (DAS WAS) und Marie-France Roth Pasquier (Die Mitte) teil.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen insbesondere die Rolle einer kantonalen Wohnungspolitik, die Zielsetzungen für den gemeinnützigen Wohnungsbau sowie die Frage, welche Instrumente bevorzugt eingesetzt werden sollten: Unterstützungsmassnahmen, bodenpolitische Instrumente, Anreize oder verbindliche Vorgaben.

«Die Wohnraumfrage muss heute auf kantonaler Ebene aktiv angegangen werden. Die künftigen Behörden werden eine wichtige Rolle dabei spielen, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden und insbesondere den gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern.»  – Jean-Pierre Gauch, Präsident von FRIMOUP

Für FRIMOUP stellt dieser Anlass einen wichtigen Schritt dar, um die Wohnungspolitik auf kantonaler Ebene verstärkt in die öffentliche Diskussion einzubringen. Der Verband beabsichtigt, den Dialog mit den Behörden, den Gemeinden und den Akteuren der Immobilienwirtschaft fortzusetzen, um Rahmenbedingungen zu fördern, die die Entwicklung eines vielfältigen und langfristig bezahlbaren Wohnungsangebots ermöglichen.

  


Présentation – Grand débat sur le logement | 7 octobre 2026
Medienmitteilung – Bilanz der Wohnraumdebatte | 8. Oktober 2026

Medienkontakt:
Jean-Pierre Gauch – Président, FRIMOUP
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